Auf Grund der voranschreitenden Kommerzialisierung der allgemeinen Kinolandschaft wurde das Angebot eines an sich breiten Spektrums interessanter Filme immer unbefriedigender. Um dem entgegenzuwirken, gründeten im April 1993 sieben Filmfreunde und –freundinnen den Kunst Bauer Kino e.V. Erste Spielstätte war der alt ehrwürdige Kretscham in Großhennersdorf. Der erste Filmabend sollte am 16. Oktober 93 stattfinden, doch die veralteten 35 mm Filmapparate russischen Fabrikates kamen nicht zum Laufen und zum Leuchten erst recht nicht. So musste der Start verschoben und auf bescheidenerer 16 mm Technik begonnen werden. Am 15. Mai 1994 war es dann so weit und ein erstes erfolgreiches Jahr begann. Der alte Tanzsaal des Dorfes hatte schon einiges erlebt, doch Ende 1995 wurde er baupolizeilich gesperrt und der Verein hatte vorerst seine Spielstätte verloren.

Bis zum Jahre 1997 dauerte es, als das Kulturcafe „Alte Bäckerei“ eröffnete und somit ein neuer Spielort gefunden wurde. Mit nur 23 Sitzplätzen avanciert das Kino des Vereins zum kleinsten in Deutschland. In der Zwischenzeit war eine 35 mm Anlage besorgt und die Filmauswahl konnte sich immer mehr in Richtung Aktualität verbessern.. Jährlich gibt es Sonderveranstaltungen mit verschiedenen Themenschwerpunkten, z.B. wurde der 5. und der 7. Geburtstag besonders gefeiert. Ersterer als Tribut an 100 Jahre Kino mit viel Stummfilm und Musik dazu, zweiterer mit dem Fokus auf das osteuropäische Kino, dem sich der Verein heute noch sehr verbunden fühlt – es bestehen gute Kontakte mit dem Osteuropäischen Filmfestival in Cottbus und mittlerweile auch Partnerschaften mit den Filmklubs im tschechischen Liberec und polnischen Zgorzelec.

Auch der zehnjährige Geburtstag im Mai 2003 mit den High-lights aus eben zehn Jahren Programmkino wurde ein Höhepunkt. Mit über 30 Vorstellungen und einem 72 Stunden nonstop Kino über drei Tage und zwei Nächte am Ende der Festwoche, waren wir wieder einmal rekordverdächtig.

Im Laufe der Jahre konnten immer mehr Gäste begrüßt werden, Regisseure, Dramaturgen, Schauspieler u.a. Filme wurden musikalisch begleitet oder es fanden Kooperationsveranstaltungen mit anderen Künsten statt (Fotoausstellungen, Graphik, Lesungen, Konzerte...).

Auch wenn das Kino manchmal aus den Nähten platzte und ein Film einmal mehr gezeigt werden mußte, damit alle Interessierten ihn sehen konnten, verfügt der Verein nur über ein geringfügiges finanzielles Plus, welches dann sofort wieder in Technik oder besondere Veranstaltungen investiert wird. Auch hat die Zahl der Vorstellungen im zehnten Jahr wesentlich zugenommen, waren es am Anfang jedes zweite Wochenende zwei, sind es jetzt jedes Wochenende vier Vorstellungen, oft sogar mehr und es gibt immer wieder Sonderveranstaltungen, weil das Kino auch für andere Veranstalter organisatorisch und inhaltlich interessant ist.

Immer wieder ist der Verein auf der Suche nach vielseitigen Angeboten, z.B.:

- das eines Seniorenkinos, welches einmal monatlich für die Senioren der umliegenden Dörfer mit Filmen aus deren Jugend und vom Kino organisiertem Fahrdienst ermöglicht wurde, mußte aus Mangel an Beteiligung wieder eingestellt werden.

- in Zusammenarbeit mit der Stiftung Aufarbeitung wurde ein Event im Jahr 2004 zur EU – Osterweiterung, mit Beiträgen wichtiger Filme in der Geschichte der Länder des Dreiländerecks und anderen künstlerischen Beiträgen ( Lesungen, Liedermacher, Konzerte...) organisiert.

- Gestalt nimmt auch die Idee eines jährlichen Grenzland-Filmfestivals an. Die Organisation läuft im Herbst 2003 in Zusammenarbeit mit den Filmklubs Liberec und Zgorzelec an. Im Sommer 2004 ist es (dank öffentlicher Fördermittel z.B. Kulturstiftung des Bundes ...) dann soweit, das 1. NeißeFilmFestival wird mit ca. 1000 Besuchern erfolgreich durchgeführt. Momentan laufen die Vorbereitungen für das 3. NeißeFilmFestival auf Hochtouren. Integriert im Festival ist eine Jugendwerkstatt zum Thema Film mit tschechischen, polnischen und deutschen Teilnehmern.

Das Kino konnte in den letzten Jahren immer wieder mit neuen Ideen und ausgefallenen Programmhöhepunkten überraschen. Dies zeigt, daß das Potential an Beiträgen zur Bereicherung der Kulturlandschaft der Lausitz noch lang nicht ausgeschöpft ist. Daraus folgt aber auch, daß in den nächsten Jahren die Arbeit des Kinos intensiviert wird und der Interessentenkreis eher steigen wird, der alte Kinoraum wird zu klein – die Planung für ein neues Kino beginnt. Dank öffentlicher Fördergelder kann das neue Kino mit 60 Sitzplätzen eingeweiht werden und wie zur Bestätigung konnten wir zeitnah zur Einweihung den Kinoprogrammpreis der Mitteldeutschen Medienförderung für alternative Spielstätten des Jahres 2005 in Empfang nehmen.

Der Verein zählt mittlerweile über 40 Mitglieder, jährlich kommen ca. 5000 Besucher und das Kino ist nicht mehr aus der Kulturlandschaft der Oberlausitz fortzudenken.

Andreas Friedrich

Großhennersdorf, März 2006